Wenn Schläuche zu Ehrenbögen werden


Goldene Momente auf dem Kirchweg: Wenn Schläuche zu Ehrenbögen werden

Stell dir vor, es ist Freitagabend. In Goßmar brennt noch Licht im Gerätehaus. Es ist Dienstabend. Es riecht nach Gummi, nach Technik und vielleicht auch ein bisschen nach Schweiß. Die Kameraden rollen Schläuche aus, üben Handgriffe, die im Ernstfall sitzen müssen. Es ist harte Arbeit, Routine, Verpflichtung. Aber dann kommt der Sonnabend, und alles ist anders. Die Schläuche transportieren heute kein Wasser. Sie transportieren Respekt.

Von der Pflicht zur Kür: Ein Weg aus grüner Anerkennung

Schläuche zu Ehrenbögen

Gestern noch im Training, heute schon in „Einsatzgala“: Die Freiwillige Feuerwehr Goßmar steht Spalier. Aber nicht für irgendeinen Einsatz, sondern für ein Stück Dorfgeschichte. Ein Ehrenmitglied unserer Wehr feiert Goldene Hochzeit. 50 Jahre. Das sind über 18.200 Tage gemeinsames Leben – und ein großer Teil davon war auch Dienst am Dorf.

Auf dem alten Kirchweg, dort, wo die massiven Feldsteine der Goßmarer Kirche seit dem 14. Jahrhundert Geschichten flüstern, ist heute ein ganz besonderer Weg entstanden. Es ist kein roter Teppich, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Es ist viel besser. Es ist ein Teppich aus Kameradschaft.

Das Gegenstück zum Roten Teppich

Wenn man unter diesen grünen Schlauchbögen hindurchläuft, ist das ein ganz besonderes Gefühl. Es zischt keine Luft, es spritzt kein Wasser, aber die Luft vibriert vor Stolz. Für das Goldpaar ist dieser Moment wie ein Zeitraffer. Jeder Bogen, unter dem sie heroisch durchschreiten, steht für ein Jahrzehnt, für eine bestandene Prüfung, für ein Jahr, in dem sie füreinander und für Goßmar da waren.

Warum Schläuche? Weil sie das Symbol für Schutz sind. Ein Schlauch rettet Leben, löscht Feuer und verbindet die Wasserquelle mit dem Brandherd. Heute verbinden diese Schläuche die Generationen. Einige jungen Kameraden, die heute die Bögen halten – vielleicht sind sie erst 20 oder 25 Jahre alt und auch schon seit der Jugendfeuerwehr dabei – schauen zu dem Ehrenmitglied auf. Sie sehen nicht nur einen alten Mann, sie sehen ein Vorbild. Jemand, der die „Fackel weitergegeben“ hat, damit sie heute das Dorf beschützen können.

Der Moment, der die Zeit anhält

Das Goldpaar tritt aus dem Südportal der Kirche. Die Schuke-Orgel im Inneren verhallt langsam, und draußen wartet das weiche nachmittägliche Sonnenlicht der Niederlausitz. In diesem Augenblick gehört ihnen die Welt. Man sieht es in ihren Augen: Diese Mischung aus Überraschung, Rührung und purer Freude. Sie genießen die Aufmerksamkeit nicht, weil sie berühmt sein wollen, sondern weil sie sich geliebt fühlen. In einer kleinen Gemeinschaft wie Goßmar mit seinen rund 260 Einwohnern ist man nicht einfach nur eine Hausnummer. Hier bist Du Freund, Kamerad, Nachbar.

Egal ob man am „Kurzen Ende“ oder am „Langen Ende“ wohnt – heute sind alle eins. Es ist Öffentlichkeitsarbeit der besten Art: keine Plakate, keine Werbung, sondern echtes Gefühl. Wenn die Dorfbewohner am Rand stehen und klatschen, dann weiß jeder: Das hier ist Heimat. Hier wird man nicht vergessen, auch wenn die Haare grau und die Schritte etwas langsamer werden.

Warum wir das machen

Vielleicht fragst du dich, warum sich die Kameraden nach einem anstrengenden Dienstabend am nächsten Morgen schon wieder in Einsatzuniform werfen. Die Antwort ist einfach: Weil es Ehrensache ist. „Kameraden ehren Kameraden“ ist kein leerer Spruch. Es ist das Versprechen, dass wir zusammenhalten – in der Not beim Feuer, aber auch im Glück beim Feiern.

Diese Goldenen Momente sind die Anker in unserem Dorfleben. Sie geben uns Kraft für die nächsten Einsätze. Sie zeigen uns, wofür wir trainieren: für die Menschen, die dieses Dorf zu dem machen, was es ist. Wir werden an das Lächeln des Goldpaares denken und daran, wie die Sonne auf den grünen Schläuchen glänzte. Denn am Ende des Tages zählen nicht die PS der Löschfahrzeuge oder die Länge der Leitern. Was zählt, ist die Gewissheit, dass man in Goßmar niemals allein geht.

Unsere Glückwünsche

Alles Gute zur Goldenen Hochzeit! Danke für eure Treue, danke für 50 Jahre Vorbild. Gut Wehr!


Dieser Beitrag ist auch ein Dankeschön an alle anderen Ehrenmitglieder, die den Grundstein für unsere heutige Feuerwehr gelegt haben. Wir sehen uns schon bald wieder beim Maibaumfest an der Feuerwehr!


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