Ein Zeichen auf dem Weg
Heute, auf dem Weg zur Urnenbeisetzung von Willi standen sie einfach da: zwei Störche, direkt vor dem Schild „Feuerwehr Goßmar, gegründet 1925″. Ob Zufall oder Fügung mit tieferem Sinn – man mag darüber denken, wie man will. Aber an diesem Tag fühlte es sich an wie ein stilles Zeichen. Es ist ein seltsames Gefühl, zu wissen, dass man einem Menschen nicht mehr begegnen wird – und trotzdem hält das Herz noch fest an ihm.

Ein Abschied ohne Familie
Willi war Kamerad und Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Goßmar. Und er war, das muss man so offen sagen, jemand ohne Familie und nahe Angehörige, die an diesem Tag hätten Abschied nehmen können. Keine Trauergemeinde im klassischen Sinn. Und doch war er an seinem letzten Tag nicht allein.
23 Menschen aus dem Ort und ein Gast von auswärts kamen, um Abschied zu nehmen – die Hälfte von ihnen in Uniform. Der Wehrführer hielt die Trauerrede. Die Stadt organisierte die Beisetzung, weil Willi Ehrenmitglied der Feuerwehr war. Eine halbe Stunde nur dauerte die Zeremonie – und trotzdem war in dieser kurzen Zeit mehr Zusammenhalt spürbar als in manch großer Trauerfeier.
Kaffee, Kuchen und alte Fotos
Danach ging es in den Gemeinderaum im FGZ. Kaffee, Kuchen, Schnittchen – liebevoll hergerichtet von Claudia und Heike, denen an dieser Stelle ein großer Dank gebührt. Auf den Tischen lagen alte Fotos von Willi, jedes mit einem kleinen Papierpfeil markiert, damit auch die jüngeren Kameraden erkennen konnten, wer da in vergangenen Jahrzehnten präsent war. Und mit jedem Foto kam eine Geschichte zurück ans Licht – manche durften erzählt werden, andere blieben, wo sie hingehörten: unter den Kameraden.
Typisch Willi
Wer Willi kannte, wusste: Ein deftiger Spruch war ihm nie zu schade, und Lachen gehörte für ihn genauso zur Feuerwehr wie der Einsatz selbst. Genau so wurde an diesem Vormittag auch über ihn geredet – nicht nur mit gesenkten Köpfen, sondern mit Schmunzeln, mit einem Kopfschütteln, das sagte: „Ja, das war typisch Willi.“
Ein dreifaches „Gut Wehr“ und ein Prost „Auf Willi!“ besiegelten den Abschied – so, wie es sich für einen gehört, der sein Leben lang zur Wehr gehörte.

Was zählt, wenn keine Familie da ist
Das ist es, was diesen Tag ausmachte: keine große Trauerfeier mit Familie in der ersten Reihe, sondern Kameraden, Nachbarn und Anwohner, die zusammenstanden, wo sonst niemand stand. Die Feuerwehr Goßmar hat an diesem Tag gezeigt, was ihr Wesen im Kern ausmacht – dass man einander nicht allein lässt. Nicht im Einsatz, nicht im Alltag, und eben auch nicht am Ende.
Das letzte Geleit
Wenn irgendwann nur noch Fotos übrig bleiben, an denen kleine Papierpfeile kleben, weil kaum noch jemand die Gesichter darauf kennt – dann ist es die Gemeinschaft, die dafür sorgt, dass niemand vergessen wird. Goßmar hat Willi sein letztes Geleit gegeben. Und das war mehr, als eine halbe Stunde Trauerfeier je zeigen könnte.

Gut Wehr, Willi.

Es wäre sehr schön gewesen wenn man seinen Cousin Dieter Schmidt vom Tod von Wilfried informiert hätte. Leider war es ein Zufall das er es heute erfahren hat.
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich kann gut nachvollziehen, dass dieses Thema Emotionen weckt.
Nach meinem Eindruck richtete sich die angesprochene Kritik eher an die zuständigen Stellen beziehungsweise den Nachlassregler als an die Dorfgemeinschaft. Als Heimatbotschafter kann ich jedoch nur mit den Informationen arbeiten, die mir zur Verfügung stehen. Wenn Angehörige über viele Jahre keinen Kontakt zum Dorf haben, ist es leider nicht selbstverständlich, dass man weiß, wen man informieren oder einbeziehen kann.
In diesem Fall hatte ich bereits versucht, die Großcousine über Telegram zu erreichen. Leider habe ich erst später erfahren, dass sie diese App schon seit längerer Zeit nicht mehr nutzt. Meine Nachricht hat sie daher nie erreicht.
Darüber hinaus ist https://gossmar.de/ eine öffentlich einsehbare Informationsquelle für unser Dorf. Ich bemühe mich, die Inhalte dort stets aktuell zu halten. Allerdings kann ich nur über das berichten und informieren, was mir bekannt ist oder an mich herangetragen wird. Was ich selbst nicht erfahre, kann ich leider auch nicht veröffentlichen.
Es lag mir fern, jemanden zu übergehen oder nicht zu beachten. Im Gegenteil: Mir ist es wichtig, dass die Geschichte und die Menschen unseres Dorfes nicht in Vergessenheit geraten. Manchmal scheitern gute Absichten leider an fehlenden oder veralteten Kontaktmöglichkeiten.
Ich hoffe deshalb, dass diese Erläuterung zum gegenseitigen Verständnis beiträgt. Gerade bei solch sensiblen Themen wünsche ich mir, dass wir davon ausgehen, dass alle Beteiligten nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben.
Gesellige Grüße aus Goßmar